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Fairtrade goes Nestlé --- Philipp Gerber --- Kommentar im Vorwärts vom 14.10.05Nestlé hat in England ein lange gehegtes, wichtiges Marketingziel erreicht: Eine Kaffeemarke wird von „Fairtrade Foundation“ als fair gesiegelt. Ein Produkt unter insgesamt 8'500 des Multis, der wegen ermordeten Gewerkschaftern in Kolumbien und auf den Philippinen angeprangert wird.Überraschend kommt dieser Coup nicht. Schon länger geht das beau mot „Mc Havelaar“ um – so an der alternativen Handelsmesse letzte Woche in Paris. Auch an der Fair Trade Fair in Bern war zu spüren, dass die Leute an der Basis der Bewegung sauer sind auf die Label-Organisationen, die das antikapitalistische Experiment des gerechten Austausches den Multis als goldenes Marketinginstrument andienen. Wobei diese die Kosten für den fairen Mindestpreis aus der Portokasse begleichen. Weshalb dieser Ausverkauf des Fairen Handels? Der Fehler liegt in der Preisgabe der Kapitalismuskritik durch den Fairtrade: So können die Multis ohne wesentliche Änderung der Geschäftspraxis ein „ethical branding“ mitführen – innerhalb des sonst dank Hungerlöhnen mit Budget-Produkten gefüllten Warenkorbs. „In zehn Jahren ist die Max Havelaar-Stiftung überflüssig, dann werden alle Produkte fair sein“, so Paola Ghillani , Ex-CEO der Max-Havelaar Stiftung. An dieser naiven Einstellung krankt der Fairtrade und die mit tragenden Hilfswerke. Mit dem „mainstreaming“ in den Massenmarkt hielt der politische Aalglattismus Einzug – prominent inszeniert am Open Forum des WEF. Nestlé geht über Leichen und darf sich neu als „fair“ etikettieren – der Faire Handel geht über die Leiche seiner widerständigen Philosophie. |
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