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Zu Besuch bei „unserer“ Kaffeekooperative Mut Vitz

--- Café RebelDía ---
21. April 2002

Ein zustimmendes Raunen geht durch die Reihen der anwesenden Kaffeebauern. Ich befinde mich an einer Delegiertenversammlung der Kaffeekooperative Mut Vitz. Soeben habe ich erklärt, dass wir aus der Schweiz uns bewusst dazu entschieden haben, ihren Kaffee in Umstellung zu kaufen, damit diejenigen Bauernfamilien, die diese Ernte noch nicht biozertifiziert sind, auch zu einem fairen Preis exportieren können. Denn ein Viertel der rund 600 Kooperativenmitglieder haben bereits dieses Jahr biozertifizierten Kaffee und können diesen in die USA und nach Deutschland verkaufen.

Es ist ein sonniger Tag nach einer ausserordentlich langen Schlechtwetterperiode. Diese zwang die Kaffeebauern zur Untätigkeit, da sie während der Erntezeit auf Sonne angewiesen sind, um die Kaffeebohnen ernten und trocknen zu können.

Auch wenn die in der jungen Kooperative zusammengeschlossenen Bauern dieses Jahr immerhin 6 Container direkt in den Norden verkaufen können, bereitet ihnen die Preiskrise auf dem Weltmarkt grossen Kummer. Denn seit über einem Jahr ist der Kaffeepreis im Keller und beträgt im Moment weniger als die Hälfte des durch die Max-Havelaar-Stiftung garantierten Preises. Dadurch wird es für die Kaffeebauern auf der ganzen Welt – und speziell in Amerika – immer schwieriger, ihre Aufwände zu decken. Landflucht, Verschuldung, Schulabstinenz, Mangel an medizinischer Versorgung und vor allem Hunger sind die dramatischen Folgen des Preissturzes, der durch die von der Weltbank finanzierten „Entwicklungsprojekte“ in Vietnam verursacht wurde. Dadurch ist die Teetrinkernation Vietnam zum weltweit zweitgrössten Kaffeeproduzenten aufgestiegen.

An der monatlich stattfindenden Kooperativen-Versammlung am Fusse des Berges Mut Vitz im Hochland von Chiapas wird aber nicht nur über den miserablen Preis („No hay Precio“) und über die Bio-Zertifizierung geredet, sondern auch die konkreten Abläufe bei der Kommerzialisierung des Kaffees besprochen. Die Strukturen und Finanzen der Genossenschaft sind gesund und im nächsten Jahr wird die ganze Kooperative auf Bioproduktion umgestellt sein. Der faire Markt ist für sie sehr wichtig, auch wenn noch viel zu klein. Auf ihre Bitte hin, ihnen mehr Kaffee abzukaufen, erkläre ich ihnen, was für eine schwierige Aufgabe es für uns ist, in unseren Ländern den Markt für faire Produkte auszuweiten. Doch ich verspreche, dass wir unser Bestes geben.

Auf dem Heimweg mache ich einen Halt beim zapatistischen Hauptort Oventic, um einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Kaffees von Mut Vitz, den wir als Verein Café RebelDía erwirtschaften, der hiesigen zapatistischen Struktur zu übergeben [siehe umseitige Empfangsbestätigung. Im Gespräch mit den Verantwortlichen der EZLN kommen diese nochmals auf die Dimensionen der Preiskrise für Agrarprodukte wie Kaffee und Mais zu sprechen und berichten, dass die Gemeinden zunehmend unter Hunger leiden. Doch die Comandantes sind zuversichtlich, dass die zapatistische Bewegung mit ihren selbstverwalteten Projekten auf dem richtigen Weg ist, um die Probleme an der Wurzel anzupacken und ihre indigene Autonomie voranzutreiben.

Monetär erleichtert und um viele Erfahrungen reicher mache ich mich auf den Rückweg.

André
Verein „Café RebelDía“, Zürich
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