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Wie und wieso "unser" Kaffee zu uns kommt --- Café RebelDía --- Kaffee ist für uns vorallem ein Genuss- und Suchtmittel. Weniger ist uns bekannt und bewusst, was hinter der Kaffeeproduktion und dem -handel steckt und wie die heisse Tasse Kaffee auf unserem Frühstückstisch landet. Kaffee als klassisches Kolonialprodukt war denn auch eines der ersten Güter, das in Europa zu sogenannten "fairen" Bedingungen gehandelt wurde. Im folgenden einige Hintergrundinformationen zur chiapanekischen Kaffeekooperative Mut Vitz. Die Pflanze, die Ernte und die VerarbeitungDer Kaffeebaum wird im Normalfall so klein gehalten, dass er gut bewirtschaftet werden kann. Die Pflanzungen liegen oft an Hanglagen und sind mit Schattenbäumen durchmischt. Die Kaffeepflanze mag viel Feuchtigkeit und die Schattenbäume schützen die Parzelle vor zu starker Sonneneinstrahlung, vor starken Niederschlägen, schaffen ein feuchtes Mikroklima und verhindern die Erosion. Immer mehr werden als Schattenbäume Frucht- oder Nutzbäume angepflanzt. Die Hauptarbeitszeit füllt während der Ernte an - in warmen, tief gelegenen Gebieten von November bis Januar und in kalten, höher gelegenen Gebieten von Januar bis April. In der Zwischensaison werden die Kaffeepflanzungen gedüngt und gepflegt.Die Frucht, die Kaffeekirsche, wächst entlang den Aesten und muss in müsamer Handarbeit gelesen werden. An der Ernte beteiligt sich die ganze Familie. Oft werden noch zusätzliche Arbeitkräfte angestellt. Danach wird die Kirsche mit einer Handmaschine geschält und die Fruchtfleischhülle von der Bohne getrennt. Die Bohne ist von einer Pergaminhaut umgeben. Um den Kaffee trocknen zu können, muss er noch ein paar mal gewaschen werden. Ideal zum trocknen - und beim Biolandbau unabdingbar - sind Trocknungplätze aus Zement. Dies erfordert allerdings hohe Investitionen und steht im Widerspruch zur Landknappheit. Der Kaffee braucht etwa acht bis zehn Tage, bis er genug trocken ist. Er wird jeden Abend wieder eingesammelt, damit er nicht die Feuchtigkeit der Nacht aufnimmt. Ist der Kaffee getrocknet, wird er entweder zu einem Zwischenhändler (coyote) oder zum Abgabepunkt der Kooperative gebracht. Dort wird er geprüft und je nach Qualität bezahlt. Die coyotes sind dafür bekannt, dass sie Vorwände vorbringen, um nicht den richtigen Preis bezahlen zu müssen. Darauf wird der Kaffee in ein "Beneficio" gebracht, um ihn für den Export weiterzuverarbeiten. Denn die meisten MexikanerInnen trinken, wenn überhaupt, löslichen Nescafee (...que no es cafe!). Die Maschinen schlagen das Pergamin ab und sortieren den grünen Kaffee nach Grösse und Qualität. Zum Schluss wird der Export- Kaffee in 69kg Säcke abgefüllt, die über Veracruz in Containern verschifft werden. Mut Vitz - eine KaffeekooperativeDie Kooperative Mut Vitz wurde 1997 gegründet, um den autonomen indigenen Gemeinden im Widerstand im Hochland von Chiapas eine Möglichkeit zu geben, ein relativ gesichertes Einkommen zu garantieren. Zur Kriegsführung der mexikanischen Regierung gegen die zapatistische Basis gehört auch der Versuch, diese mit ökonomischen Mitteln zu bekämpfen oder zu kaufen. Während der Aufbauphase wurden die nötigen Organe gewählt und interne Richtlinienen aufgestellt. Das Ziel war, auf biologische Produktion umzustellen und vom "Fairtrade"-Register anerkannt zu werden. Währenddem es der Kooperative gelang, ins "Fairtrade"-Register aufgenommen zu werden, wird die Bio-Anerkennung erst nächstes Jahr erfolgen. Die noch junge Kooperative zählt 850 Mitglieder (dh mit allen Familienangehörigen ca 8000 Personen), was eine beachtliche Zahl ist. Da es bisher möglich war, ins Ausland zu exportieren, wird die Organisation noch weiter wachsen. Noch lange nicht alle der zapatistischen Unterstützungsbasis zugerechneten Familien sind in Mut Vitz organisiert. Aufgrund der schlechten Erfahrungen, die viele Kaffeebauern mit Kooperativen machten, sind die Vorbehalte gross und eine Mitgliedschaft ist auch mit Pflichten verbunden. So erfordert der biologische Landbau Mehrarbeit und die Mitglieder müssen sich am internen Entscheidungsprozess beteiligen und werden durch interne und externe Organe geprüft. Regelmässige Delegiertentreffen sollten in jeder Kooperative normal sein und sind bei Mut Vitz von grosser Bedeutung. An diesen Versammlungen ist es möglich, sich gegenseitig über Entwicklungen in der Kooperative, aber auch in der Bewegung generell, zu informieren.In EuropaVon der Ernte 98/99 wurde ein Container (17t) in die USA verkauft. Ein Teil von diesem Kaffee gelangte nach Hamburg, wo er zu zwei Röstungen verarbeitet wurde. Als wir in der Schweiz davon hörten, bestellten wir von diesem Kaffee. Da der Zoll für bereits gerösteten Kaffee relativ hoch ist, sahen wir uns nach Möglichkeiten um, den grünen Kaffee in der Schweiz zu verarbeiten. Wir fanden einen Röster (Bertschi Cafee in Birsfelden), der sich bereit erklährte, den Kaffee einzukaufen, zu rösten und zu verpacken und ihn uns weiterzuverkaufen. Unsere Aufgabe würde es sein, diesen Kaffee dann an die Frau und den Mann zu bringen. Wir entschieden uns für eine mittelstarke Röstung und tauften den neugegründeten Verein und den Kaffee "Cafe RebelDia" (diesen Namen haben wir übrigens den Hamburgern ausgeliehen!). Für die Ernte 99/00 kauften Bertschi Cafe und die Hamburger Kooperative "Cafe Libertad" einen Container, zwei gehen in die USA.Noch ein fairer Kaffee mehr?Doch warum ein neuer Kaffee? Gibt es nicht schon genug fairen Kaffee, beispielsweise den Nica-Kaffee? Ist es sinnvoll, im noch viel zu kleinen Fairtrade-Markt zu wildern? All diese Fragen haben wir uns auch gestellt. Uns ist bewusst, dass im momentan gesättigten Fairtrade-Markt ein Verteilkampf stattfindet, vorallem auf der ProduzentInnenseite. Deshalb war es für uns von Anfang an klar, dass wir neue KundInnen für diesen Kaffee finden müssen. D.h. Alternativbeizen dazu zu bringen, endlich den zwar biodynamisch aber nicht fair produzierten Kaffee rauszuwerfen und durch Cafe RebelDia zu ersetzen. Oder Leute, die sonst den Kaffee im Migros klauen, bitten, unseren zu kaufen. Und vorallem zu versuchen, eine Diskussion über den Kaffeehandel und unser Konsumverhalten zu führen. Denn der Kaffee von Mut Vitz schmeckt nicht nur ausgezeichnet, sondern ist auch ein Transportmittel, um von den Anliegen der campesinos des Trikont und ganz speziell der zapatistischen Bewegung zu berichten. |
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